Stadtpolizei in Bayern

Zwischen 1945 und 1949 wurden in 150 bayerischen Städten und Gemeinden selbständige Polizeiorganisationen gebildet. Maßgeblich war eine Zahl von mehr als 5.000 Einwohnern. Die amerikanische Besatzungsmacht sah darin die Chance, die zentral organisierte NS-Polizei durch eine dezentrale Struktur zu ersetzen. Als Vorbild dienten die städtischen Police Departments in den USA. Zugleich wurde damit - außer in München - eine bayerische Tradition wiederbelebt. Die kommunale Polizeihoheit stärkte die Selbstverwaltung der Gemeinden. Sie fand 1946 Aufnahme in die Bayerische Verfassung und wurde im Polizeiorganisationsgesetz von 1952 bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt verfügten die Kommunalpolizeien über rund 8.000 Bedienstete.

Die blau uniformierten Polizeikräfte der Kommunen bewiesen große Vielfalt: Neben komplexen großstädtischen Polizeipräsidien, die ein professionelles Selbstverständnis entwickelten, gab es viele kleine Polizeiämter mit weniger als zehn Beamten. Verantwortlich für Personalfragen und die polizeiliche Dienstausübung waren die jeweiligen Bürgermeister und die Stadt- bzw. Gemeinderäte. Das Innenministerium konnte meist nur im Rahmen der Rechtsaufsicht eingreifen. Lediglich in Notfällen wie schweren Unruhen oder Katastrophen war eine Unterstützung durch staatliche Polizeikräfte vorgesehen. Finanziert wurden die Kommunalpolizeien vor allem durch staatliche Zuschüsse, was dem Innenministerium ein zusätzliches Druckmittel verschaffte.

Ab 1953 lösten sich zahlreiche kleinere Kommunalpolizeien bereits wieder auf. Meist waren die hohen Kosten für diesen freiwilligen Schritt verantwortlich. Seit den 1960er Jahren betrieb das Innenministerium aktiv die Verstaatlichung. Unabhängige Stadtpolizeien galten als Hindernis für eine moderne Polizeistruktur, ein geregelter und effizienter Dienstbetrieb in kleinen Orten wurde bezweifelt. Nach Änderung des Polizeiorganisationsgesetzes im Jahr 1968 konnte auch die Polizei kreisfreier Städte vom Staat übernommen werden. Da einige Kommunen allerdings nicht auf ihre Sicherheitskräfte verzichten wollten, erfolgte die Eingliederung in die Land(es)polizei am Ende unter politischem Zwang. Im Oktober 1975 verlor München als letzte bayerische Stadt seine eigene Polizei.

 
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